Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback
   26.05.16 01:52
    Mir fehlt die Differenzi
   10.11.16 15:59
    autobinarysig101@gmx.com
   5.02.17 00:11
    Nicht kann jeder Mann mi

http://myblog.de/aufgeweckt

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
The Power of Denial

Jeder Trinker meistert die Kraft der Verleugnung.

Nein, ich trinke nicht.

Nein, ich bin nicht betrunken.

Ich habe aufgehört.

Du musst mir glauben.

Wenn sich die Haut verändert, der Bauch und die Waden aufblähen, das Weiße im Auge gelb verfärbt, die Eingeweide stechen und brennen und Deine eiternden Zähne zerbröseln, dann ist das kein schöner Anblick. Schau mal in den Spiegel. Bist das tatsächlich Du auf der anderen Seite?

Nein, das kann nicht sein. Ich habe mich ganz anders in Erinnerung. Der Spiegel lügt. Weg damit.

23.12.08 14:43


Runtertrinken

Die Folgen des kalten Entzugs können dramatisch sein. Zitternde Hände sind noch die mildesten Symptome, die der Spiegeltrinker bei sinkendem Blutalkohol verspürt. Schlimmstenfalls droht jedoch Delirium tremens und Herz-Kreislauf-Versagen.

Die Erfahrungen dieser extremen Zustände sind mir glücklicherweise nicht gegeben. Dennoch habe ich den kalten Entzug mehrfach als solche Höllenqual empfunden, dass ich ihn mir freiwillig nicht mehr antun möchte.

Da sich der Körper auch nach jahrelangem, schweren Alkoholmissbrauch graduell immer weiter an die Droge gewöhnt, wird es immer schwieriger, „runterzukommen“ – denn die Entzugserscheinungen werden immer stärker. Daher kann ich keinem Alkoholabhängigen raten, auf eigene Faust einen kalten Entzug zu unternehmen. Besser ist es, einen Arzt hinzuzuziehen oder über eine Beratungsstelle die stationäre Entgiftung zu suchen.

Wer den Entzug dennoch ohne fremde Hilfe angeht muss sich darüber klar sein, dass es nicht bei körperlichen Symptomen bleibt – ich habe die psychischen Qualen sogar als schlimmer empfunden. Die intensivsten Phasen des Entzugs waren bei mir immer von der Gewissheit geprägt, „jetzt“ sterben zu müssen.  Nur das Bewusstsein, dass in diesen Eingebungen meiner Psyche letztlich allein der Alkohol spricht, sowie die Hoffnung, dass all das in ein paar Tagen Vergangenheit sein würde, haben mich durchhalten lassen. Bis zum nächsten Alkoholabsturz.

Ich bin jetzt seit ein paar Wochen „trocken“. Und diesmal habe ich keinen kalten Entzug gemacht, denn ich fürchtete mich vor den Entzgserscheinungen. Bei diesem Entzug, DEM Entzug, der der endgültige sein wird, habe ich mich runtergetrunken.

Ich reduzierte die Alkoholmenge von Tag zu Tag. Ich trank nur gerade so viel, dass keine Entzugserscheinungen auftraten. Meine alkoholischen Getränke wechselten von Schnaps zu Wein, zwei Tage später zu Bier. (Ironischer Weise also der Schnelldurchlauf meiner Alkoholikerkarriere in umgekehrter Reihenfolge.) Den vierten Tag überstand ich ohne einen Tropfen Alkohol. Ich zitterte nicht, ich schwitzte kaum. Nach einer Woche schlief ich wieder relativ fest. Das war anfang Dezember, und ich trinke immer noch nicht.

Darüber, wie am besten mit dem Trinken zu brechen sei, gehen die Meinungen auseinander. Manche sind Anhänger des sofortigen Entzugs, andere favorisieren die schrittweise Eingrenzung der Trinkmenge. Meiner Ansicht nach gibt es keine Patentlösung. Jeder muss für sich den Weg finden, der gangbar ist.

22.12.08 14:28


Strategien zur Suchtbewältigung

Nehmen wir einmal an, ein schwer Alkoholabhängiger gibt pro Tag etwa 10€ zur Finanzierung seiner Sucht aus. In meinem konkreten Fall waren das in etwa der Preis für zwei Flaschen Hochprozentiges oder eine Flasche desselben und Bier oder Wein, um „in die Gänge zu kommen“. Die Summe, die sich so pro Jahr zusammenläppert, können Sie leicht ausrechnen.

Natürlich überkommen dem Trinker früher oder später Zweifel ob dieser äußerst teuren und höchst effektiven Methode, die eigene Gesundheit zu ruinieren. Er fragt sich, ob er nicht etwas verpasst hat, weil ihm das Geld zu vernünftigen Freizeitbeschäftigungen fehlt. Auch soziale Kontakte sind nicht immer gratis. In seiner Trinkerlogik kommt ihm die Idee, das zu vernichten, was ihm das Trinken erst ermöglicht: das Geld. Kein Geld, kein Alkohol, ganz einfach.

Aber den Schotter einfach zu verbrennen oder dem nächsten Obdachlosen in den Hut zu stecken erscheint ihm dann doch zu weit hergeholt. Mir haben diese Überlegungen unter anderem einen PC, ein nagelneues Notebook und drei Handys eingebracht.

Doch so leicht lässt sich die Sucht nicht überlisten. Wenn kein Geld zum Trinken da ist, ist immer noch genug für´s Essen da. Und wenn ein Trinker vor die Wahl zwischen trinken und essen gestellt wird, zieht essen den Kürzeren. Betrunkene sind nicht hungrig.

Was war noch mit Deinem großartigen Plan? Hier, trink noch einen Schluck.

21.12.08 16:51


Auftakt

Heute geht es mir gut. Ich sage das, obwohl ich meinen Körper 12 Jahre lang regelmäßig, täglich, mit den schädlichsten Giften überflutet habe. Ich sage das, obwohl ich seit 12 Jahren Alkoholiker bin. Aber ich möchte es nicht mehr sein, ich kann es nicht mehr sein, so und so.

Auch wenn ich mit 33 Jahren den Körper eines 60jährigen habe, geht es mir gut, seitdem ich nicht mehr trinke. Es geht mir gut, weil ich noch schreiben kann. Ich war schon mal besser, so wie ich in allem besser war, davor. Aber was nicht mehr ist, kann wieder werden.

Mein Gaumen und mein Rachen ist eine einzige Narbe, meine Zunge ein Schlachtfeld. Ich habe Krampfadern in der Speiseröhre und ich habe Magenschmerzen. Mir fehlen Zähne. Aber es wird besser. Das Wasser in den Beinen und im Bauch ist weg.

Schmerzen lassen sich aushalten, ich kann sie ertragen. Was ich nicht ertragen kann, sind die psychotischen Schübe eines kalten Entzugs. Man geht buchstäblich die Wände hoch, soll heißen: wenn kein Schnaps mehr im Haus ist, die Gedanken und das Herz rasen, wenn man abwechselnd heiße und kalte Schweißausbrüche bekommt, wenn die Krämpfe kommen, wenn man nichts mit sich anzufangen weiß, wenn man nächtelang ziellos herumirrt, um die Stimmen nicht zu hören oder man stumm auf dem Boden kauert, bewusstlos und doch wach, während das Chaos in einen hineinblickt und man innerlich wünscht, es möge einen verschlingen – in Todesangst und gleichzeitig Todessehnsucht.

Das habe ich drei, vier, fünf Mal ertragen. Ein sechstes Mal kann und will ich es nicht ertragen.

In diesem Blog will ich die Stationen meiner Sucht ergründen. Ziel ist es, mit dem Alkoholismus als Kapitel meines Lebens endgültig abzuschließen. Dabei werde ich sicher auch regelmäßig auf meine gegenwärtige Situation und aktuelle Gedanken zurückkommen.

Leser sind herzlich zum Kommentieren eingeladen.

21.12.08 10:44





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung